Mensch-Android - wo sind die Unterschiede? 01

Teil 01: Blade Runner - guest article

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Nachdem ich nun meine Leseliste endlich vollständig habe, mache ich mir zur Zeit über Vieles Gedanken. Was macht eine KI aus? Welche verschiedenen Arten gibt es in der Literatur? Und was unterscheidet eine KI eigentlich von einem Menschen?

Besonders zur letzten Frage gibt es in den Science Fiction Geschichten viele Ansichten und Antworten. Ein bekanntes Beispiel dafür ist „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ (auf deutsch: „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“), ein Buch von Philip K. Dick, das unter dem Titel Blade Runner sehr erfolgreich verfilmt wurde.

In dem Buch geht es um Rick Deckard, einen Kopfgeldjäger, der den Auftrag bekommt, entflohene Androiden in der Stadt zu finden. Allerdings sind die Androiden so weit entwickelt, dass es quasi keine sichtbaren Unterschiede zwischen ihnen und „biologischen“ Menschen gibt, nichtmal wenn man sie tötet, kann man sich sicher sein, denn auch ihr Innenleben wurde dem Vorbild genau nachgebildet. Um nun aber entscheiden zu können, ob vor Deckard ein Mensch oder ein Androide steht, gibt es den sogenannten Voigt-Kampff-Test. Dieser testet verschiedene emotionale Reaktionen der Person auf hypothetische Situationen. Deckard liest eine Beschreibung dieser Reaktion vor und misst die Reaktionen über „Blutdruck, Atemfrequenz, Erröten und Augenbewegungen“ (Wikipedia) sowie die zeitliche Verzögerung der Wertveränderungen.

Mit den beschriebenen Situationen soll getestet werden, wie Empathie-fähig die Testperson ist, denn laut der Theorie sind Androiden nicht so umfänglich zu Empathie fähig (wenn es um bedrückende oder gefährliche Situationen für Mitmenschen oder Tiere geht) und reagieren deshalb langsamer oder gar nicht auf die Erzählungen des Testers.

Allerdings gibt es mit dem Test verschiene Probleme, manche dafür werden auch im Buch thematisiert: Erstens basiert der Test ausschließlich auf Sprache. Wenn jemand der Landessprache nicht fähig ist (bzw. der Sprache, in der der Test durchgeführt werden soll), sind die Testergebnisse so gut wie nicht aussagekräftig. Durch das wiederholte Übersetzen und Nachfragen wird die Spontaneität zerstört und die Reaktionen werden unauswertbar.

Zweitens ist Empathie ein soziales Konstrukt. Unsere sozialen Fähigkeiten als Mensch sind in den meisten Teilen erlernt und erzogen, sie sind nicht von Geburt an existent. Wenn nun also ein Android komplett wie ein Mensch sozialisiert wurde, würde er den Voigt-Kampff-Test wohl auch bestehen. Andererseits beschreibt Deckard in „Do Androids Dream?“: Je mehr Androiden er tötet, desto mehr fühlt er sich wie einer von ihnen und weniger als Mensch. Er fühlt seine Empathiefähigkeit verschwinden und fürchtet, er würde den Test auch nicht mehr bestehen, wenn man ihn testen würde.

Drittens, aber das konnte Dick 1968 wohl noch nicht ahnen, sind wir uns heute wohl im Klaren darüber, dass kein Test erfolgreich sein würde, bei dem Menschen schneller reagieren sollen als Maschinen. Inzwischen würde der Test wohl eher die verzögerte Reaktion als „menschlich“ interpretieren, und das wäre wohl von den Maschinen gut manipulierbar.

Was also unterscheidet den Menschen von Androiden? Wird dies überhaupt möglich sein, wenn der Androide gut gebaut ist? Was meint ihr?

Ich hoffe, dass ich weitere mögliche Antworten in den nächsten Beiträgen liefern kann =)

Galvan, Jill. “Entering the Posthuman Collective in Philip K. Dick’s ‘Do Androids Dream of Electric Sheep?“.” Science Fiction Studies, vol. 24, no. 3, 1997, pp. 413–429. JSTOR, http://www.jstor.org/stable/4240644.